Bildungs- und Exerzitienhaus der
Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC)
 
 

Tiefenthaler Geschichte (5)

Kunstschätze des ehemaligen Klosters

Ein Verlust ganz anderer Art waren die Kulturschätze des Klosters Tiefenthal. Ich möchte nur einige hier nennen:

Im Wiesbadener Landesmuseum befindet sich die sog. Tiefenthaler Madonna, um 1350 im Kölner Stil entstanden, lieblich und durch ein auffallendes Dreifaltigkeitssymbol auf der Brust gekennzeichnet.

Versammlungsraum im heutigen Bildungshaus Kloster Tiefenthal

Versammlungsraum im heutigen Bildungshaus Kloster Tiefenthal

Die noch ältere Sandsteinmadonna aus der Rödchen-Kapelle, oberhalb Martinsthals im Weinberg gelegen, befindet sich in Privatbesitz und ist nicht mehr zugänglich.

Dazu gibt es Stickereien, Handschriften, ein wunderschönes Bild in der Buchmalerei mit der Äbtissin des Klosters Tiefenthal, vor der Madonna knieend. Alles in Museen, nicht leicht zugänglich.

Das wichtigste Erbe ist gewiß das sogenannte Bußkleid der heiligen Elisabeth von Thüringen. Unter der Äbtissin Jutta von Dorndorf, um 1238, hatte das Kloster aus dem Deutschordenshaus in Weißenburg den braunen Mantel erhalten, der der Überlieferung nach vom heiligen Franziskus von Assisi seiner armen Tochter übersandt worden war. 1231 war Elisbeth in Marburg verstorben; 1235 bereits war sie heiliggesprochen worden. Es gibt eine Urkunde von 1237, ausgestellt zu Jerusalem und unterzeichnet von Hochmeister Hermann von Salza, Conrad, dem Schwager der heiligen Elisabeth, und mehreren Deutsch-ordensrittern. Darin wird bestimmt, daß Tiefenthal nunmehr Elisabethenthal heißen soll. In der Schwesternchronik lesen wir dazu:

Was das "Bußkleid" insbesonders betrifft, so ist es wahrscheinlich jenes Kleidungsstück, welches der hl. Franziskus selbst der frommen Landgräfin nach ihrem Eintritt in seinen Dritten Orden zum Geschenk gemacht hat. Der berühmte Graf Montalembert schreibt darüber: "Einst riet der Kardinal (Hugolino und nachmaliger Papst Gregor IX., welcher die heilige Elisabeth in das Verzeichnis der Heiligen aufnahm) dem heiligen Franziskus, der Landgräfin ein Andenken als Zeichen seiner Hochschätzung zu schicken, nahm zugleich armen, alten Mantel von seinen Schultern und befahl ihm, diesen seiner deutschen Tochter, der demütigen Elisabeth, als eine verdiente Anerkennung ihrer selbstgewählten Demut und freiwilligen Armut und als Ausdruck seines Dankes für die Dienste, die sie dem Orden bereits geleistet, zu übersenden ... Der Heilige gehorchte seinem Feunde, schickte derjenigen, die er mit so vielem Rechte seine Tochter nennen konnte, dieses bescheidene Geschenk, und begleitete es mit einem Briefe, in welchem er sich aller Gnaden, die Gott ihr verliehen, und des guten Gebrauchs, den sie davon machte, mit ihr freute."

Man kann sich leicht die Dankbarkeit denken, mit welcher Elisabeth dieses in ihren Augen so kostbare Geschenk empfing. Sie bewies es durch den Wert, den sie immer auf seinen Besitz legte. So oft sie zum Herrn um eine besondere Gnade flehte, legte sie diesen Mantel an, und selbst, als sie später auf jedes Besitztum, wie es auch immer sein mochte, verzichtete, fand sie doch einen Ausweg, diesen teueren Mantel ihres armen geistlichen Vaters bis zu ihrem Tode bei sich zu behalten. Dann vermachte sie ihn als ihren köstlichsten Schatz einer Freundin. Seitdem wurde er mit größter Sorgfalt als eine doppelt heilige Reliquie von den Deutschen Rittern zu Weißenburg in der Diözese Straßburg verwahrt, und Bruder Berthold, ein berühmter Prediger dieser Zeit, erzählte den Richtern in dem Heiligsprechungsprozesse der heiligen Elisabeth, daß er ihn oft gesehen und als das glorreiche Banner jener Armut, die in so vielen Herzen die Welt und all ihre Pracht überwunden, mit Verehrung angerührt habe. Zu Weißenburg blieb er nicht lange, sondern wurde vermutlich schon im Jahre 1237 nach Tiefenthal überbracht.

Das Kleid, oder wie es öfters genannt wird, der "Mantel" der heiligen Elisabeth ist ein alter, an einzelnen Stellen sehr kunstlos geflickter, brauner Franziskanerhabit aus Wollstoff. Er ist kurz und paßt nur für eine Person von kleiner Statur, hat kurze Ärmel, von denen der eine nebst einem Stücke des heiligen Gewandes fehlt, und ist nach seinem Schnitte zum Zusammenhalten vorne über den Leib eingerichtet. So konnte die heilige Elisabeth sich seiner schon beim Gebete bedienen. Beinahe 600 Jahre lang blieben die Klosterfrauen in Tiefenthal treue Wächterinnen dieses Heiligtums. Sie haben es sorgfältig behütet und in Sicherheit gebracht bei den Gefährdungen des Klosters durch Krieg und Brand. Und die Kriegszeiten brachten wirklich schlimme Zustände: so schreibt ein Augenzeuge 1796, als das Kloster von Franzosen besetzt war: "Die Mobilien, Türen und Fenster waren zerschlagen, den Heiligen Schnurrbärte gemalt, die Reliquien umhergeworfen, die französichen Trainsoldaten, die dort im Quartier lagen, kegelten zum Zeitvertreib mit Totenschädeln".

Immer aber schützten die Nonnen das heilige Gewand, und sie verwahrten es in einem kleinen viereckigen Schrein. Auch ließen sie sich die Verehrung der heiligen Elisabeth, von der drei Äbtissinnen von Tiefenthal den Namen trugen, recht angelegen sein. Zeugen davon waren die schöne Kirche, die mit ihren gotischen Fenstern einen malerischen Anblick bildete, und in der auch ein Elisabethenaltar zur Aufbewahrung des heiligen Gewandes sich befand, sowie die Wallfahrten aus dem ganzen Rheingau: am 19. November, am 2. Weihnachts- und 2. Pfingsttag, für welche Tage vom apostolischen Stuhl Ablässe bewilligt worden waren.

Die wertvolle Reliquie wurde 1803 an die kleine Dorfkirche in Oberwalluf gegeben, wo sie noch heute verehrt wird. Soweit die Chronik.

Weitere Kunstgegenstände wurden entweder an die Herzöge von Nassau gegeben, die Landesherren, für die Schlösser in Biebrich oder in Weilburg, oder aber an andere Kirchengemeinden. So befindet sich der Hochaltar im Barockstil in der Kirche in Frauenstein, das auch die kleine Orgel erhielt. Eine der drei Glocken wurde der reformierten Kirche zu Wiesbaden gegeben. Mehrere Gebäude und die schöne Kirche jedoch riß man ein, um die Steine zu anderen Zwecken zu verwenden, insbesondere zum Bau der Chaussee von Eltville über Schlangenbad nach Schwalbach.