Bildungs- und Exerzitienhaus der
Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC)
 
 

Tiefenthaler Geschichte (6)

Das ehemalige Kloster als Sitz adeliger Damen

Zunächst aber schien von etwa 1890 an Kloster Tiefenthal wieder bewohnt und gewertet, von Mrs. und Miss Grainger, mit ihrer zahlreichen Dienerschaft. Doch die beiden Damen waren kränklich, und insbesondere zur Pflege der Mutter wurde es bald nötig, fachliche Hilfe zu finden. Pfr. Thewaldt von Schlangenbad empfahl den Damen die Ambulanzschwestern aus Eltville, Arme Dienstmägde Jesu Christi, insbesondere Schwester Jutta. Mit ihrem Eintreten in Tiefenthal schien die traurige Prophezeiung der vertriebenen Äbtissin Constantia Geissler von 1803 endlich erfüllt, daß dem Haus erst wieder Segen zukomme, wenn Schwester Jutta zurückkehre.

Maria Katharina Kasper, 1820-1898
Maria Katharina Kasper, 1820-1898,
Gründerin der Armen Dienstmägde Jesu Christi

Nach dem Tod von Mrs. Grainger brauchte auch Miss Philomina Grainger Hilfe und Pflege, da sie wie die Mutter an Schwindsucht litt. Nach Verhandlungen mit der Gründerin der Dernbacher Gemeinschaft, Mutter Maria Katharina, wurde am 23. April 1898, wenige Wochen nach deren Tod, in Tiefenthal eine neue Niederlassung der ADJC eröffnet.

In ihrem Testament bestimmte Miss Philomina Grainger, daß die Schwestern nach ihrem Tod das Kloster - mit allem Besitz und allen Schulden, insbesondere den Verpflichtungen gegenüber der Dienerschaft - übernehmen sollten. So geschah es auch.

Von 1825 war Tiefenthal nacheinander Knochen - und Lumpenmühle, Papierfabrik, Tanzlokal und Kelterhaus. 1865 wurde eine Bäckerei samt Mühle eröffnet, aber schon nach drei Jahren machte auch der neue Besitzer Bankrott. Schließlich kaufte ein englischer Baron das zerfallene Anwesen. Es war der Freiherr John von Sutton, der als Erneuerer und Stifter der Choralschule in Kiedrich in der Erinnerung der Menschen noch fortlebt. Er hoffte, hier - wie in Brügge/Belgien - ein Priesterseminar einrichten zu können. Dazu bot er das Anwesen dem Papst an, der in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Fluch wegnahm, der auf dem ehemaligen Kloster zu liegen schien. Er wies das Angebot jedoch zurück, so daß der ehrgeizige Plan für die Erneuerung der Kirche im Rheingau nicht zur Ausführung kam. Statt dessen kaufte eine irische Adelige, Mrs. Anna Maria Grainger aus der Grafschaft Meath, im Jahr 1881 das Kloster Tiefenthal. Sie hatte Verbindungen zum englischen Klerus durch ihren Bruder, Monsignore Paul Grainger, Pfarrer in Exmouth.

Mrs. Grainger ließ große bauliche Veränderungen vornehmen. Insbesondere der Bau an der Schlangenbader Straße - die sie dazu verlegen ließ - wurde im Stil eines englischen Herrenhauses vergrößert und erneuert.

Tiefenthal hatte nun zwar wieder eine Besitzerin, aber es war ein sehr reduzierter Besitz. Die vielen Stadtgrundstücke, die im 19. Jahrhundert wirklichen Reichtum darstellten, Weinberge und Wälder, das gehörte nicht mehr zum ehemaligen Kloster. Deshalb mußten für die Bauten Darlehen und Hypotheken aufgenommen werden, die auf über eine Generation lang eine schwere Last darstellten.